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April: Verstehen ist nicht gleich akzeptieren

Man muss nicht alles verstehen –

aber ein bisschen Verständnis hätte ich schon gern

Diesen Monat habe ich diesen Satz verdächtig oft gesagt:
„Man muss und kann nicht alles verstehen.“

 

Es gibt Dinge, die sind so weit weg von meiner Realität, dass ich gar nicht erst versuche, sie zu greifen.
Ansichten, Verhalten, Entscheidungen von anderen, bei denen ich mir denke:

„Okay… spannend… aber ich bin dann mal raus.“

(ja, inklusive innerem Kopfschütteln, aber mit einem gesunden Gleichgültigkeitsgefühl)

 

Und trotzdem ist mir aufgefallen, dass in manchen Situationen der erste Moment bei mir oft gar nicht ruhig oder egal ist. Also innerlich. Der erste Moment ist eher: „Wie bitte?! Wie kann man nur?!" Emotion! Reaktion! Und zack – meine Nachdenkspirale läuft... Ich analysiere. Erkläre meine Sicht. Optimiere innerlich meine Argumente, als würde gleich jemand sagen:

„Könnten Sie das bitte kurz logisch darlegen?“ (tut natürlich niemand, aber innerlich laufen meine Systeme ;) ...und ich könnte!)

 

das kleine innere nicken

Und wenn ich ganz ehrlich bin, passiert hier etwas Entscheidendes:

Ich denke, es geht mir gar nicht mehr darum, den anderen zu verstehen oder das Verhalten nachvollziehen zu können.

Es geht darum, dass ich verstanden werde. Nicht im Sinne von Zustimmung. Sondern im Sinne von: „Ich sehe, wie du das erlebst. Ich nehme das zur Kenntnis.“ Dieser Perspektivenwechsel. Dieses kleine innere Nicken.

 

Und genau hier wird der Satz „Man muss nicht alles verstehen“ spannend:

Manchmal ist das echter Frieden. Wenn ich mein Umfeld betrachte, da gibt es immer wieder Personen oder Situationen, die ich nicht verstehe. Und ich muss es auch nicht. Weil ich Dinge davon bereits bearbeitet habe und innerlich mit mir ehrlich fein bin. Da ist kein inneres Ziehen, kein Klären-Wollen. Eher ein ruhiges: „Das ist eure Welt – und ich bleibe in meiner.“

 

Und dann gibt es Situationen, die sich anders anfühlen.

Dann wird aus dem Satz eher ein „Ich kann das Verhalten echt nicht verstehen“ und darunter sitzt ein Gefühl von „Warum wollt ihr mich nicht verstehen?“ Hier kommt kein Schulterzucken. Kein passt schon. Sondern ein leiser Rückzug.

 

Ich glaube, es gibt zwei Arten von „Ich muss das nicht verstehen“:

Das eine macht dich frei. Das andere macht dich still.

Beim einen lässt du wirklich los.
Beim anderen gibst du innerlich ein Stück Verbindung auf.

 

Nicht alles muss eingeordnet werden

Und dann gibt es noch die klaren Fälle:

Dinge, die du nicht verstehen willst. Wo du innerlich sagst: Nein. Das passt für mich nicht. Das überschreitet für mich eine Grenze. Und das ist genauso okay. Nicht alles ist dafür da, eingeordnet zu werden.

 

Vielleicht geht es gar nicht darum, alles zu verstehen. Sondern darum, ehrlich zu merken:

Bin ich im Frieden – oder im Rückzug?
Lasse ich los – oder wünsche ich mir eigentlich Verbindung?

Vielleicht ist das die eigentliche Übung:

Nicht alles verstehen zu müssen. Und gleichzeitig nicht darauf angewiesen zu sein, verstanden zu werden. Und vielleicht reicht genau das: Zu wissen, wo ich loslassen kann. Und wo ich – ganz ehrlich – einfach gern ein kleines bisschen verstanden worden wäre, ohne sich davon abhängig zu machen. Und vielleicht reicht genau das schon als Klarheit.

 

Zum Schluss vielleicht noch etwas, das ich selbst immer wieder neu sortieren darf:

Verstehen ist nicht gleich akzeptieren.

Ich kann nachvollziehen, warum jemand so handelt.
Ich kann die Hintergründe sehen, die Prägungen, die Perspektive.

Und trotzdem kann ich sagen: „Das passt für mich nicht.“

So ähnlich wie beim Verzeihen:
Ich kann innerlich Frieden schließen, ohne etwas gutzuheißen oder wieder in die gleiche Nähe zu gehen.

 

 

Vielleicht magst du dir diese Frage mitnehmen:

Wo versuchst du gerade zu verstehen, obwohl du eigentlich längst spürst, dass du eine Grenze setzen möchtest?